Presse aus 2004

Pressearchiv 2004

Hilfe für Straffällige gewürdigt

Märkische Allgemeine Zeitung, „Der Havelländer“ vom 16.10.2004

Russische Sozialfachleute besuchten Jugendhaus "Am Weinberg" NAUEN

Die Antwort war klar und deutlich: "Nein, eine solche Form der Betreuung jugendlicher Straftäter gibt es bei uns nicht. Was hier in Nauen getan wird, da bin in sehr beeindruckt." Lidia Shineleva, Vize-Rektorin des Moskauer Institus für Staat und Verwaltung und Leiterin eines EU-Projekts für benachteiligte Gruppen, sowie weitere elf russische Fachleute für Kinder- und Jugendhilfe weilten gestern in Nauen. Im Jugendhaus "Am Weinberg" informierten sie sich über den Umgang mit straffällig gewordenen Jugendlichen.

"Was hier geschieht, ist Haftvermeidung durch soziale Integration. Bei uns gibt es für solche Straffällige nur Jugendstrafanstalten. Und das bedeutet, die Insassen sind letztlich nicht frei", sagte die Professorin. Außerdem seien derartige Anstalten fast ausnahmslos staatlich, freie Träger wie im Havelland der Verein Horizont hätten in den russischen Lagern höchstens die Chance, hin und wieder eine Veranstaltung zu organisieren.

"Wir werden nichts unversucht lassen, unsere Legislative zu bewegen, im Umgang mit straffällig gewordenen Jugendlichen ähnliche Formen gesetzlich zuzulassen", sagte Lidia Shineleva. Im Haus "Am Weinberg" war auch sie regelrecht begeistert von der Arbeit der dortigen Leiterin Ingelore Mahlow. Die hier seit zehn Jahren als "Mutter für alles" geltende Tietzowerin habe "ihre" zwölf Jungen "wundersam in der Hand". Auch wenn von diesen keiner freiwillig in dem Jugendhaus wohne, so wunderten sich die russischen Gäste, so würden sie hier dennoch freiwillig Regeln annehmen und ließen sich letztlich freiwillig Regelmäßigkeit beibringen.

Interessant war für die Gäste auch, dass das Haus am Weinberg nur für Jugendliche bis 18 Jahre offen steht. Danach wird für weitere drei Jahre betreutes Wohnen angeboten, was einer erzieherischen Begleitung bis zur Selbstständigkeit entspricht. "Ein Weg, Untersuchungshaft zu vermeiden", stellte Aleksey Anokhin fest, Chef der Sozialverwaltung des Gebietes Kostroma.

Obgleich den Gästen sehr bald klar war, dass es bis zu einer ähnlichen Straffälligenhilfe in Russland noch ein weiter Weg ist, fragten sie Ingelore Mahlow nach ihren Wünschen, könnte sie die Gesetze verändern. Und die Frau von der Basis wusste sofort, was sie einfordern würde: Eltern sollten mehr in die Pflicht genommen werden können, wenn ihre Sprösslinge unbelehrbar bleiben (Beifall seitens der Gäste), an den Schulen sollten die Lehrer vordergründig nicht nur Bildungs-, sondern auch Erziehungsarbeit leisten und für alle Jugendlichen sollte es Lehrstellen und Arbeit geben. Eingeladen waren die Gäste vom internationalen Beratungsunternehmen "Berufliche Bildung und Jugend" (BBJ), das sich unter anderem der Straffälligenhilfe verschrieben hat. Am Vormittag besuchte die Delegation im Westhavelland den Jugendbauernhof Rhinsmühlen, wo sie auch Vize-Landrat Dennis Granzow begrüßte. wg

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